Wie Bioökonomie die Agrarwirtschaft transformiert

Die "Agrarsystseme der Zukunft" auf dem Global Bioeconomy Summit 2020

20.11.2020
© Agrarsysteme der Zukunft
© Agrarsysteme der Zukunft

Diese Woche fand zum dritten Mal der internationale Global Bioeconomy Summit statt. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde das Event in den digitalen Raum verlagert.

Die Koordinierungsstelle der Förderlinie "Agrarsysteme der Zukunft", vertreten durch Prof. Monika Schreiner und Dr. Philip Albers (beide vom Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau, IGZ) beteiligte sich mit einem Workshop im Track Science & Innovation: "How bioeconomy is transforming agriculture" mit einem international renommierten Expert*innenpanel. 

Der Morgen startete mit Impulsvorträgen zur Vorstellung der Workshops. Monika Schreiner stellte dabei die Zukunftsvision der BMBF-Förderlinie vor um auf das Thema einzustimmen: Was ist nötig, um bioökonomische Prinzipien in der Landwirtschaft zu implementieren?

Das Panel des Vormittagsworkshops.

Den Auftakt im ersten Teil des Workshops “What is needed  to foster transformation in agriculture?” machte Prof. Sonoko Bellingrath-Kimura vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), Koordinatorin des AdZ-Konsortiums DAKIS. Sie gab einen Einblick in die Agrarlandschaft der Zukunft. In dieser Vision werden neben der Schließung von Nährstoffkreisläufen vor allem auch Ökosystemleistungen und der Erhalt der Biodiversität berücksichtigt, für deren Implementierung vor allem innovative digitale Lösungen notwendig sind.

Prof. Christine Watson (Scotland’s Rural College, SRUC) sprach sich in Ihrem anschließenden Vortrag ebenfalls für eine Diversifizierung der Agrarsysteme aus und ging anhand von Praxisbeispielen auf die Potenziale von Zwischenkulturen und mehrjähriger Pflanzen ein. In der folgenden Paneldiskussion ergänzte Prof. Tilman Brück (IGZ) um die urbane Perspektive der Agrarproduktion, die im AdZ-Projekt food4future im Fokus steht. Der Sozioökonom machte auch deutlich, dass vor allem umfassende gesetzliche Rahmenbedingungen für den Klimaschutz und auch für eine sichere Nahrungsmittelproduktion in neuen Formen benötigt würden und insgesamt die Verbrauchenden eine Schlüsselrolle im Transformationsprozess einnehmen. Ein wiederkehrendes Motiv in der Argumentation der Panelisten war überdies, dass ein besserer Austausch, eine bessere Kommunikation und kollaborative, ganzheitliche und kreative Ansätze für die nachhaltige und damit zukunftsfähige Transformation der Agrarsysteme bedürfe.

Die Abschluss-Statements der Panelist*innen

Im zweiten Teil des Workshops gab Christian Huyghe (Wissenschaftlicher Direktor Agrarwirtschaft, INRAE) Einblicke die zukünftige strategische Ausrichtung des neu gegründeten nationalen Forschungsinstituts für Agrar-, Ernährungs- und Umweltforschung in Frankreich. Er betonte dabei vor allem, dass neben einer engen Partnerschaft mit der Industrie auch ein starker Austausch mit der Bevölkerung im Innovationsprozess wichtig sei. Prof. Edeltraud Günther (Direktorin des UNU-FLORES) hob anschließend die Chancen für neuen Geschäftsmodelle in der Agrarwirtschaft hervor, die durch das Einbeziehen externer Kosten landwirtschaftlicher Systeme effektiv stimuliert werden können. Mit dem AdZ-Projekt GreenGrass stellte Koordinator Prof. Johannes Isselstein (Universität Göttingen) im Rahmen eines Impulsstatements die Vision für ein weiteres Agrarsystem der Zukunft vor.

Das Panel der zweiten Session führte die Diskussion am Nachmittag fort.

Ziel ist es, mit Hilfe intelligenter Farming-Technologien Weidetierhaltung wieder attraktiv zu machen und Grünlandflächen zu erhalten. Einen anderen Ansatz für die Nahrungsmittelproduktion der Zukunft präsentierte Dr. Sandra Schwindenhammer (Universität Gießen) mit dem Projekt SUSKULT. Hier geht es um die Entwicklung eines nachhaltigen Kultivierungssystems für Nahrungsmittel in Metropolregionen, basierend auf der Rückgewinnung von Nährstoffen aus Abwässern von Kläranlagen.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde die Bedeutung partizipativer Ansätze in Innovationsprozessen intensiv debattiert. Die Teilnehmer*innen waren sich einig, dass Reallabore bzw. “Living-Labs” als neue Form der Kooperation zwischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft, bei denen das gegenseitige Lernen im Vordergrund steht, für einen erfolgreichen und nachhaltigen Transformationsprozess unabdingbar sind.

Die Aufzeichnung des Workshops finden Sie hier.